Botanische Exkursion in die Taubenlochschlucht
Getreu dem Jahresmotto «Vielfalt» wurden den Teilnehmenden faszinierende Einblicke in eine breitgefächerte Themenpalette geboten. Anpassungsstrategien von Kletterpflanzen wurden ebenso beleuchtet wie die Zusammenhänge zwischen Vegetation und ökologischen Standortfaktoren. Die Exkursion verdeutlichte die komplexen Wechselwirkungen zwischen Vegetation, Standortbedingungen und anthropogenen Einflüssen und zeigt auf, welchen Einfluss der Mensch auf die Erhaltung dieser Lebensräume hat.
Obwohl das nasskalte Frühsommerwetter nicht gerade zu einer Schluchtenwanderung einlud, fand sich am Sonntag, den 9. Juni eine erstaunlich grosse Gruppe beim Zollhaus Biel, dem Startpunkt der botanischen Exkursion, ein. Angesichts des üppigen, dschungelartigen Schlingpflanzendickichts, das sich über die Hänge in Richtung Solothurnstrasse ergoss, wähnte sich der eine oder andere Teilnehmer eher im Tessin als am Jurasüdfuss. Gewöhnliche Jungfernrebe (Parthenocissus inserta) und Japanisches Geissblatt (Lonicera japonica) animierten zur Diskussion, welche Folgen die ab dem 1. September gültige revidierte Freisetzungsverordnung beim Umgang mit diesen Pflanzen haben wird. Das dichte Nebeneinander unterschiedlichster Kletterpflanzen lud zu einer anschliessenden Gegenüberstellung der unterschiedlichen Kletterstrategien ein. Während die beiden oben genannten Arten sich durch den windenden Wuchs einen Konkurrenzvorteil erschaffen, behilft sich die Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba) als Speizklimmer mit der für ihre Familienzugehörigkeit atypischen gegenständigen Blattstellung. Die Futterwicke (Vicia sativa) als Rankenklimmer und das Kletten-Labkraut (Galium aparine), welches sich mit stacheligem Stängel zu halten vermag, komplettierten die Sammlung. Allen Kletterpflanzen ist gemeinsam, dass sie durch die Zuhilfenahme stützender Strukturen weniger Material in die Stabilität investieren müssen, und deshalb mehr Energie für schnelles Wachstum und die Blattproduktion vorhanden ist.
Autorin: Kathrin Häberlin
Pages : 34-41
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